Oh, könnte ich den Faden doch gewinnen,

Der, mich mit Gott und der Natur verknüpfend,

Und, abgewickelt, das Geheimste lüpfend,

Verborgen sitzt im Geist und in den Sinnen!

 

Wie wollte ich ihn mutig rückwärts spinnen,

Bis er mir, endlich von der Spindel hüpfend,

Und in den Mittelpunkt hinüberschlüpfend,

Gezeigt, wie All und Ich in eins zerrinnen.

 

Nur fürchte ich, daß, wie ich selbst Gedanken,

Die gleich Kometen blitzten, schon erstickte,

Eh′ ich verging in ihrem glühnden Lichte,

 

So auch das All ein Ich, das, seiner Schranken

Vergessen, an das Welten-Rätsel tickte,

Aus Notwehr, eh′ es tiefer dringt, vernichte.


Das Gedicht "Mysterium" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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