Du lässest uns die Blüte alles Schönen

Und seines Werdens holdes Wunder sehen;

Die Stirn′ ist streng, man sieht′s in ihr entstehen,

Wo es noch ringen muß mit herben Tönen.

 

Die Wange will sich schon mit Anmut krönen,

Doch darf sie noch im Lächeln nicht zergehen,

Der Mund jedoch zerschmilzt in süßen Wehen,

Daß Ernst und Milde sich im Reiz versöhnen.

 

Erst keusches Leben, wurzelhaft gebunden,

Dann scheuer Vortraum von sich selbst, der leise

Hinüberführt zur wirklichen Entfaltung;

 

Und nun ist auch der Werdekampf verwunden,

Man sieht nicht Anfang mehr, noch Schluß im Kreise,

Und dieses ist der Gipfel der Gestaltung.


Das Gedicht "Juno Ludovisi" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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