Es tanzt ein Mann auf einem Seil

Mit der Lizenz, den Hals zu brechen,

Doch der Poet an seinem Teil

Muß mir nicht von Lizenzen sprechen;

Je schwerer, was er vor sich sieht,

Je leichter muß er es vollbringen,

Ein schlechter Reim passiert im Lied,

Doch das Sonett muß rein erklingen:

Es könnt′ ihn ja ein Schüler dort

Vermeiden, warum mit ihm rechten?

Allein den Meister braucht′s, das Wort

Vierfach und dreifach zu verflechten.

Nicht, daß ihm dies und das gelang,

Wird der Gebildete ihm danken,

Nur, daß sein Geist zur Höhe drang,

Wo man nicht kämpft, nur spielt mit Schranken;

Nur, daß er ihm die ganze Kunst,

Und wär′s im kleinsten Bilde, zeigte,

Der Musen wunderbare Gunst,

Der auch das Sprödeste sich neigte.

Drum geb′ ich denn mit Goethe nicht

Für den Gedanken alle Reime,

Ich fordre beides vom Gedicht,

Denn beides wächst aus einem Keime.


Das Gedicht "Die poetische Lizenz" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte