O glaube nicht, daß du durch deine Sünde
Die Welt verwirrst! Wie du auch freveln mögest,
Und ob du Gott dein Ich auch ganz entzögest,
Du hinderst nicht, daß sie zum Kreis sich ründe!
Ja, ob du, in des innern Abgrunds Schlünde
Hinunter taumelnd, völlig dich betrögest
Und dich hinauf zur Götter-Freiheit lögest,
Doch trifft dich das Gericht, das ich verkünde!
Wir leben nur im Ewigen und Wahren,
Und ihm entfliehen wollen, würde heißen,
In uns'rer Brust den Odem anzuhalten;
Wir können's, doch es wird sich offenbaren,
Daß wir das eig'ne Lebensband zerreißen
Und Nichts dadurch im Aether umgestalten.
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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