Die Mutter lag im Totenschrein,

zum letztenmal geschmückt;

da spielt das kleine Kind herein,

das staunend sie erblickt.

 

Die Blumenkron′ im blonden Haar

gefällt ihm gar zu sehr,

die Busenblumen, bunt und klar,

zum Strauß gereiht, noch mehr.

 

Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:

"Du liebe Mutter, gib

mir eine Blum′ aus deinem Strauß,

ich hab′ dich auch so lieb!"

 

Und als die Mutter es nicht tut,

da denkt das Kind für sich:

Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,

so tut sie′s sicherlich.

 

Schleicht fort, so leis′ es immer kann,

und schließt die Türe sacht

und lauscht von Zeit zu Zeit daran,

ob Mutter noch nicht erwacht.


Das Gedicht "Das Kind" stammt von   (1813 - 1863).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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