Wenn der Tod in neidischem Verlangen
Auch schon an dein keusches Bette trat,
Ist er doch zurückgegangen,
Als er dich gesehen hat.
Seine tränenlosen Augen hingen,
Wie erstaunt, an deinem Angesicht;
Daß die Rosen drauf vergingen,
Weil er′s tat, gewahrt′ er nicht.
Endlich sah er′s; mit beschämten Blicken
Hat er nun sich von dir abgewandt;
Auch die Lilien noch zu knicken,
Zitterte selbst ihm die Hand.
Das Gedicht "Auf die Genesung eines schönen Mädchens" stammt von Friedrich Hebbel (1813 - 1863).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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