Ein Wunder, ein Geheimnis ist der Kuß;

Denn wie des Morgenlandes Weisen sangen,

Die Lippe küßt, wohin das Herz sich neigt;

Ehrfurcht die Hände, Sklavendienst das Kleid,

Die Freundschaft auf die Wangen; auf die Stirne

Küßt tröstend Mitefühl; doch auf die Lippen

Drückt Liebe ihren Kuß, wildloderndes

Verlangen auf das müd´geschlossne Auge,

Und Sehnsucht haucht ihn seufzend in die Luft:

Noch mehr! Ein Kuß ist das, was ihr ihn schätzt;

Nichts, wenn ihr scherzt, und wenn ihr´s ernst meint, alles;

Er kühlt und glüht; er fragt und er gibt Antwort,

Er heilt und er vergiftet, trennt und bindet;

Er kann versöhnen und entzweien, kann

Vor Wonne töten, und kann Tote wecken.

Und mehr noch, mehr! Was könnte nicht ein Kuß?


Das Gedicht "Was ist ein Kuß" stammt von   (1806 - 1871).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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