Ha, dort kommt er mit Schweiß, mit Römerblute,
Mit dem Staube der Schlacht bedeckt! So schön war
Hermann niemals! So hat‘s ihm
Nie von dem Auge geflammt!

Komm’! ich bebe vor Lust! Reich mir den Adler
Und das triefende Schwert! komm, athm’, und ruh hier
Aus in meiner Umarmung,
Von der zu schrecklichen Schlacht!

Ruh hier, dass ich den Schweiß der Stirn abtrockne,
Und der Wange das Blut! Wie glüht die Wange!
Hermann! Hermann! so hat dich
Niemals Thusnelda geliebt!

Selbst nicht, da du zuerst im Eichenschatten
Mit dem bräunlichen Arm mich wilder fasstest!
Fliehend blieb ich, und sah dir
Schon die Unsterblichkeit an,

Die nun dein ist! Erzählt es in allen Hainen,
Dass Augustus nun bang mit seinen Göttern
Nektar trinket! dass Hermann,
Hermann unsterblicher ist!

»Warum lockst du mein Haar? Liegt nicht der stumme
Tote Vater vor uns? O hätt’ Augustus
Seine Heere geführt; er
Läge noch blutiger da!«

Lass dein sinkendes Haar mich, Hermann, heben,
Dass es über dem Kranz’ in Locken drohe!
Siegmar ist bei den Göttern!
Folg du, und wein’ ihm nicht nach!


Das Gedicht "Hermann und Thusnelda" stammt von   (1724 - 1803).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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