Wir schweigen schon. Ihr habt gewonnen,

Ihr Männer vom Gesetz und Recht,

Und sicher seid ihr eingesponnen

In eurer Ordnung eng′ Geflecht.

Wir schweigen schon. Stolz durft ihr zeigen,

Wie ihr gebeugt, was euch bedroht:

Wir schweigen schon und werden schweigen,

Allein wir hungern, schafft uns Brod!

 

Ihr sagt, uns eine keckes Wagen,

Zu stürzen eures Staates Bau –

O glaubt, in uns das grimme Nagen

Umgrenzt das Denken sehr genau;

Wir achten still, was fest und eigen,

Und uns′re Fahne ist nicht roth:

Wir schweigen schon und werden schweigen,

Allein wir hungern, schafft uns Brod!

 

Im tiefen Schacht, von Luft und Lichte,

Von jedem frohen Blick entfernt,

Gefahr, wohin der Fuß sich richte –

Wir haben tragen es gelernt.

Wir wissen uns dem Loos zu neigen,

Wir geh′n für′s Leben in den Tod:

Wir schweigen schon und werden schweigen,

Allein wir hungern, schafft uns Brod!

 

Vernehmt uns! Euer Ohr verwehre

Nicht mehr den Eingang uns′rem Flehn!

Und helft, daß von des Mangels Schwere

Nicht Weib und Kinder uns vergeh′n!

Und laßt es nicht zum Höchsten steigen,

Bedenket, Eisen bricht die Noth –

Wir schweigen schon und werden schweigen,

Allein wir hungern, schafft uns Brod!


Das Gedicht "Nach dem Strike" stammt von   (1857 - 1938).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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