Rinne, Faden, rinne,

Aus der ernsten Hand,

Statt der Ruh’ gewinne,

Sturm und Unbestand.

 

Lust soll dich umschweifen,

Eh’ du lernst versteh’n,

Kannst du sie begreifen,

Soll sie schnell verweh’n.

 

Was du nie erlangest,

Sei dir heiß begehrt,

Was du reich empfangest,

Sei dir ohne Werth.

 

Was am schnellsten schwindet,

Sei dein höchstes Glück,

Was dein Herz verbindet,

Flieh’ vor dir zurück.

 

Unaufhörlich ringen

Soll des Hirnes Hast,

Nichts die Hand vollbringen,

Wie’s die Brust erfaßt.

 

Fremd und irrend schwebe

Durch das klare Sein,

Leeren Träumen lebe,

Selbstgebautem Schein.

 

Wandle durch den Reigen,

Der sich gierig drängt,

Bis dich einst in Schweigen

Atropos empfängt. –

 

Rinne, Faden, rinne

Aus der ernsten Hand,

Statt der Ruh’ gewinne,

Sturm und Unbestand.


Das Gedicht "Lied der Klotho" stammt von   (1857 - 1938).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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