Auf grüner grüner Haide

Stehn sieben Hügelein.

Es flüstern Wind′ im schaurigen Thal,

Es tanzen Elfen auf mondlichem Strahl.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Im tiefen Wiesengrunde

Glänzt fern ein Weiher hell.

Es klagen Unken aus tiefem Moor,

Es steigen Gebilde so dunstig empor.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Hier war vor grauen Jahren

Ein König, reich und groß.

Er war gezogen in Krieg und Schlacht,

Hatt′ nicht der sieben Töchterlein dacht.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Die sieben Jungfraun wallten

Im hohen Buchenhain.

Es rauschte das Meer mit nichtigem Schaum,

Es sauste der Sturm im luftigen Baum.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Es schwellen weiße Segel

Vom Kullafelsen her.

Ach! Starno kommt, der wilde Held!

O König! Wie hast du dein Haus bestellt?

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Ans weiße Sandgestade

Steigt schnell das Kriegesheer.

Die Jungfraun fliehen Berg ab und an,

Verfolgt von Reiter, von Roß und Mann.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

"Wir sahn euch schnell und sicher,

Ihr weißen Vögelein,

Zu Spott und Hohn; wir fangen euch aus;

Der Vater kann finden das leere Haus!"

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Wie Blätter vor dem Sturme,

Entflohn die Mägdelein;

Doch dicht am wehenden Schleierlein

Verfolgten die Reiter sie hinterdrein.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Da glänzt im Abendstrahle

Der kühle Weiher hell;

Drein hüpfen die Mägdlein leicht und schön,

Und wurden nimmermehr gesehn.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"

 

Auf grüner grüner Haide

Stehn sieben Hügelein.

Dort ruh′n die Jungfraun im kühlen Moos,

Dort klagen die Vöglein im Maigesproß.

Singt, Mädlein, auf grüner Haide,

Singt: "Leide! Leide! Leide!"


Das Gedicht "Die sieben Hügel" stammt von   (1765 - 1835).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte