An Rousseau′s Schatten

 

Wo Wogen das liebliche Eiland umzieh′n,

Da sitz ich hoch über dem Felsen im Grün,

Und höre, mit schmachtendem Sehnen,

Die Fluthen vertönen.

Von ferneher rauschen, mir tief aus dem See

Erschallend, empor in die luftige Höh′,

Verdoppelte dumpfige Schläge

Ans Ufergehege!

Umschwebt nicht im West, der das Eichenblatt beugt,

Dein klagender Schatten, ätherisch und leicht,

Die vormals geliebten Gefilde

Mit himmlischer Milde?

Dort, hoch aus dem silberumflossenen Blau,

O senke dich nieder, wie kühlender Thau;

Verkünde der traurigen Müden

Elysischen Frieden!

Du kanntest dies Sehnen, du kanntest den Schmerz,

Der schwer mir belastet das einsame Herz!

Nun schöpfst du am Strome der Klarheit

Unsterbliche Wahrheit!

Stets glaubend, stillhoffend und liebend wie du,

Ach; find′ ich im Schooße der Nacht erst die Ruh′,

Entschwebend dem moosigen Hügel

Mit strahlendem Flügel?


Das Gedicht "Die Insel auf dem Bielersee" stammt von   (1765 - 1835).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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