Ich steh′ an dem rauschenden Zeitenstrom,

Er donnert und fluthet vorüber!

Der Zeiten Grab bist du, ewiges Rom,

Des Zeitstroms Bild, o du Tiber!

Es wanket rings das hesperische Land,

Von der Berge Höh′ bis zum Meeresstrand;

Doch er tobt rastlos vorüber!

O felsengegründete Hügelstadt!

O schauerumflüsterte Höhen!

Wer hemmt von den Hehren des Schicksals Rad?

Wie sollt ihr dem Strome bestehen?

Der Donner aus finsterer Wolken Schooß,

Der zuckenden Blitze Doppelgeschoß,

Umschmettern die prangenden Höhen.

Es stürzt hinab, was dem Staube gehört,

Denn ewig ist nur der Gedanke!

Was gebaut kann werden, wird auch zerstört,

Doch unsichtbar sey, was nicht kranke;

Es zerstöret die Zeit, was die Zeit gebaut,

Wohl dem, der nur dem Unsterblichen traut,

Er hat, wo sein Glaube nicht wanke.


Das Gedicht "Das Einzig-Bleibende" stammt von   (1765 - 1835).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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