Ewig lebt die Wahrheit,
Ewig lebt das Recht,
Menschlichkeit ist Klarheit,
Hassen, das ist schlecht!

Antisemitismus,
Aufgewühltes Meer,
Neueste Influenza,
Dauerst mich gar sehr;

Antisemitismus
Antibrüderlich,
Senk’ die morsche Fahne,
Sie wird lächerlich.

Antisemitismus,
Wißt ihr, wie das klingt?
Als wenn unter Psalmen
Einen Fluch man singt;

Psalmen sind semitisch,
Zehn Gebote auch,
Schöne Sonntagsfeier
Ursemitischer Brauch;

Doch die Heuchler täuschen
Absichtlich die Welt,
Meinen nicht Semiten,
Meinen nur ihr Geld.

Wenn sie vieles hätten,
Gäben sie’s dem Zar,
Kauften sich Gatschina
Schön und wunderbar;

Säulen groß und mächtig,
Lapis Lazuli,
Dunkelblau und prächtig,
Sie erkaufen’s nie;

Ihren Reichtum aber,
Schlauheit ihn erdacht,
Haß und Zwietracht haben
Wahrheit nie gebracht;

Wen’ge ausgenommen,
Darben sie gar sehr,
Tausende verkümmern,
Eilen übers Meer.

Nahrung dort zu suchen,
Wo noch nichts gesäet,
Kehren gern zurücke,
Wo die Heimat stehet;

Heimat leere Städte,
Wo der Vater stand,
Eh’ er Blut und Leben
Gab fürs Vaterland;

Ewig lebt die Wahrheit,
Ewig lebt das Recht,
Menschlichkeit ist Klarheit,
Hassen, das ist schlecht!

Anti-ti-semiten,
Höret meinen Rat,
Heilet eure Leber,
Gehet nach Karlsbad!

Bad- und Reisekosten
Zahlet sicher Der,
Der Euch sonst bezahlet,
Doch – ich weiß nicht Wer! –


Das Gedicht "Ewig lebt die Wahrheit" stammt von   (1828 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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