Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel,

Der Dienst geht los, ich muß hinaus.

Noch einen Schluck. . . . Adies, Mariandel!

Ich hüt′ die Stadt, hüt′ du das Haus!

Nun schrei′ ich wieder wie besessen,

Was sie nicht zu verstehen wagen

Und was sie alle Tag′ vergessen:

Uht! Hört, ihr Herrn, und laßt Euch sagen!

Schnarcht ruhig fort in Eu′ren Nestern

Und habt auf mein Gekreisch nicht Acht!

Die Welt ist akkurat wie gestern,

Die Nacht so schwarz wie alle Nacht.

Auch welche Zeit, will Niemand wissen,

′s giebt keine Zeit in uns′ren Tagen,

Duckt Euch nur in die warmen Kissen,

Die Glokke die hat nichts geschlagen!

 

Laß keiner sich im Schlaf berükken

Vom (vulgo Zeitgeist) Antichrist,

Und sollte wen ein Aelplein drükken,

Dankt Gott, daß es nichts Aerg′res ist.

Das Murren, Meistern, Zerr′n und Zanken,

Das Träumen thut es freilich nicht,

Drum schluckt sie ′runter die Gedanken,

Bewahrt das Feuer und das Licht!

 

Auch wakkelt nicht im bösen Willen

An Eu′rem Bett und räkelt nicht,

Die Zipfelmüzze zieht im Stillen

Zufrieden über′s Angesicht.

Der Hund im Stall, der Mann beim Weibe,

Die Magd beim Knecht, wie Recht und Pflicht,

So ruht und rührt Euch nicht beileibe,

Auf daß der Stadt kein Schad′ geschicht!

 

Und wann die Nacht, wie alle Nächte,

Vollendet hat den trägen Lauf,

Dann steigt, doch stäts zuerst das rechte

Bein aus den Federn, sittsam auf!

Labt Euch an dem Zichorientranke

Und tretet Eure Mühlen gern,

Freut Euch des Lebens voller Danke

Und lobt, nächst Gott, den Landesherrn!


Das Gedicht "Weib, gieb mir Dekkel, Spieß und Mantel" stammt von (* 1814-06-30, † 1881-05-15).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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