So ströme denn in vollem Maß

Hernieder, du Maienregen,

Ersehntes, köstliches, tröstliches Naß,

Befruchtender Erden-Segen!

 

Lang konnte der Himmel bang und schwer

Die lindernde Träne nicht finden,

Seine Wimper, die Wolken, drückten sehr

Und zuckten, gejagt von den Winden

 

Ihm lag es wie vergangene Lust,

Wie Ahnung künftiger Schmerzen,

Bergeschwer auf der schwülen Brust,

Auf dem bebenden Götter-Herzen.

 

Nun brechen und gießen allzumal

Die Schleusen, die Ströme, die Quellen;

Durch zerrissene Schleier blinkt ein Strahl,

Das neue Blau zu erhellen.

 

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wann hast Du zuletzt Dich ausgeweint,

Mein Herz, in Klang und Klage,

Und wann, mein armes Herz, erscheint

Dein Neulicht fröhlicher Tage?!


Das Gedicht "So ströme denn in vollem Maß" stammt von (* 1814-06-30, † 1881-05-15).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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