Nun ist auch erloschen der letzte Schein

Im Kämmerlein des Poeten,

Und lokkerer Vögel Nachtverein

Kommt stolpernd heimgetreten.

Es träufelt leiser Schnee vom Dach,

Die Fahne kreischt am Thurme,

Die Laternen schwanken und glimmen schwach

Und schaukeln sich lustig im Sturme.

 

Die Häuser stehen schwarz und still,

Die Kirchen leer und die Schenken,

Nun mag eine Seele wie sie will

Gehen und träumen und denken.

 

Es blinzt kein Auge scheel und schief,

Kein Lästermaul reißt sich offen,

Nun mag ein Herz, das am Tage schlief,

Lieben und bangen und hoffen.

 

Du traute Nacht, der Bösen Feind

Und aller Guten Segen,

Sie sagen, Du seist keines Menschen Freund, –

Wie lieb′ ich dich, Nacht, deswegen!


Das Gedicht "Nun ist auch erloschen der letzte Schein" stammt von (* 1814-06-30, † 1881-05-15).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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