Nun ist auch erloschen der letzte Schein

Im Kämmerlein des Poeten,

Und lokkerer Vögel Nachtverein

Kommt stolpernd heimgetreten.

Es träufelt leiser Schnee vom Dach,

Die Fahne kreischt am Thurme,

Die Laternen schwanken und glimmen schwach

Und schaukeln sich lustig im Sturme.

 

Die Häuser stehen schwarz und still,

Die Kirchen leer und die Schenken,

Nun mag eine Seele wie sie will

Gehen und träumen und denken.

 

Es blinzt kein Auge scheel und schief,

Kein Lästermaul reißt sich offen,

Nun mag ein Herz, das am Tage schlief,

Lieben und bangen und hoffen.

 

Du traute Nacht, der Bösen Feind

Und aller Guten Segen,

Sie sagen, Du seist keines Menschen Freund, –

Wie lieb′ ich dich, Nacht, deswegen!


Das Gedicht "Nun ist auch erloschen der letzte Schein" stammt von   (1814 - 1881).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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