Gott, einen Strahl aus deinen Wolken sende

Auf dieser Vorstadt schmerzenreiches Dach!

Hier ringt ein Mensch mit seinem schweren Ende,

Sei gnädig, hilf der armen Seele nach!

Zieh aus der Kinder fesselndem Gewimmer,

Zieh aus des Weibs Umschlingung ihn zu dir.

Herr, säume nicht! Er duldet ja noch immer,

Herr, schläfst du auch? O wache, Herr, mit mir!

 

Am nied′ren Fenster schleich′ ich sacht vorüber,

Noch glimmt der Lampe Docht, wer löscht sie aus?

Sie schimmert durch die Laden, stündlich trüber,

Und Käuzlein flattern um das Sterbehaus.

 

Hu! Fort von dieser schauervollen Schwelle,

Hier thut ein And′rer Wächterdienst als ich.

Dort lagert er, der schreckliche Geselle,

Und kauert lauernd vor die Thüre sich.

 

Er malt ein Kreuz, ein weißes, an die Schalter,

Er winkt, er klopft. . . O Würger, halte an!

Es ist gescheh′n. Hab′ Dank, du alter, kalter

Nachtwächtersmann, du hast dein Werk gethan!


Das Gedicht "Gott, einen Strahl aus deinen Wolken sende" stammt von (* 1814-06-30, † 1881-05-15).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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