Mein Großvater pflegte zu sagen:
»Das Leben ist erstaunlich kurz.
Jetzt in Erinnerung drängt es sich mir so zusammen,
daß ich zum Beispiel kaum begreife,
wie ein junger Mensch sich entschließen kann,
ins nächste Dorf zu reiten,
ohne zu fürchten, daß
- von unglücklichen Zufällen ganz abgesehen -
schon die Zeit des gewöhnlichen,
glücklich ablaufenden Lebens
für einen solchen Ritt bei weitem nicht hinreicht.«
Das Gedicht "Das nächste Dorf" stammt von Franz Kafka (1883 - 1924).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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