Wenn ich den Tag schon opfre doch

Rein nur Vergnügens Sachen,

So will ich wenigst′ abends noch

Ein klein Plaisir mir machen.

Ich bitt′, du mußt nun hier vor all′n

Auf jeden Scherz verzichten;

Am Tage nämlich tu ich mal′n,

Und abends tu ich dichten.

Ich dicht′ auch emsig jeden Tag,

Nicht ohne ihn zu malen,

Ganz gleich, wenn es zuletzt auch mag

Gar manchem nicht gefallen.

Gehör′ zur Zahl der Dutzenddichter

Und will auch für die Zeilen nichts,

Das Honorar in Weis′, in schlichter,

Bereits bezahlt ist′s mir - ich dicht′s.

Zum täglich Brot gehört mir Dichten,

Und bring′ ich′s auch nicht zu Papier,

Muß auf Verleger ich verzichten -

Der Selbstverlag bleibt selig mir.


Das Gedicht "Ich Dichter" stammt von   (1808 - 1885).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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