(Nach Barry Cornwall)

 

Hart am Saum einer rührigen Stadt

Steht ein viereckt Gebäude, massig und grau;

Von des Kirchspiels Armen wird es bewohnt,

Und sie selbst auch erhuben den finstern Bau;

Und sie drücken ans Eisengitter die Stirn,

Und sie schau´n durch die Stäbe mit trotziger Brau.

 

Hinter dem Bau liegt ein Rasenfleck,

Den ein Dornzaun scheidet vom Moorgefild;

Nebenan stiehlt ein Gäßchen zum Steinbruch sich,

Den der Regen vieler Jahre füllt;

Aber drin, aber drin! da, in all´ ihrer Qual,

Sitzt die Armut, und flucht, und murmelt wild!

 

Tritt ein! in den Höfen, hoch umwallt,

Messen grimme Männer den nackten Grund;

In die langen, öden Kammern tritt –

Mädchen genug, doch stumm jeder Mund!

Emsig näh´n sie, von früh bis zur Nacht,

Doch kein Lachen erschallt, kein Lied geht rund.

 

Keine Gemeinschaft im Armenhaus!

In des Armen Brust kein liebend Versteh´n!

Trüb seine herbe Vergangenheit!

Seine Zukunft – kaum wagt er´s hineinzuspäh´n:

Brot im Gefängnis, das steht ihm bevor,

Oder Hunger draußen im Windesweh´n!

 

Wo ist die Lachende, die vordem

Ihren Vater umspielt am ländlichen Hag?

Wo der Knab´, dessen Auge der Mutter Licht,

Auf des Haupt ihre segnende Rechte lag?

Getrennt, geschieden, (so will´s das Gesetz!)

Abgesperrt voneinander bei Nacht und bei Tag.

 

O, sie lehren in ihren Schulen viel –

Nur das eine, was die Natur lehrt, nicht!

Nur nicht, was das Kind an die Eltern knüpft:

Nur nicht opfernde Liebe, freudige Pflicht!

O, nichts Gutes lernt man, wo töricht und hart

Der Natur und dem Herzen den Stab man bricht!

 

Siebenzehn Sommer – und wo das Kind,

Die nicht aufwuchs an ihres Vaters Knie?

Zwanzig Herbste – und wo der Knab´,

Den ein Mutterwort unterwiesen nie?

Er, in Ketten, schafft an der Südsee Strand;

In den Gassen bei Nacht ihr Brot sucht sie

 

O Weisheit, o Macht, o Gesetz – blickt herab

Auf die schmachtende Armut von eurer Höh´!

O, trennt keine Herzen, die Gott verband,

Eins zu sein in Wohl und in Weh!

O ihr Ernsten, die ihr am Ruder steht –

Dachtet ihr dieses Ernstes je?

 

O Reichtum, komm und öffne die Hand!

O Mildigkeit, komm und schließe den Bund!

Gib dem Alter, der Jugend! der Liebe gib!

Segne, erfreue, mache gesund!

Doch zu spät! denn ich höre – und morgen schon!–

Der Rebellentrommel fordernden Ton

Schüttern den festen englischen Grund!


Das Gedicht "Das Armenhaus" stammt von   (1810 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte