Ist alles ganz kahl und still,

nicht mal im Grase sich′s regen will,

steht alles geduckt,

klappert im Frost und muckt

mit dem Winter. Der putzt es mit Rauhreif auf,

aber keines gibt was drauf.

 

Doch im Garten

sagt einer: Ich kann warten.

Ist jemand, du kennst ihn wieder kaum,

so dünn ist er worden: der Kirschenbaum.

Schläft er nicht?

Trau einer dem Wicht!

Heute mittag um eins

gab′s mal ein Pröbchen Sonnenscheins:

Darin - ich habe

das deutlich gesehn -

mit seinen Knospen

fingerte der alte Knabe,

ein wenig vorsichtig und geziert,

wie man Badewasser probiert.

Und über seine Runzeln

ging ein Schmunzeln.


Das Gedicht "Vom Kirschbaum" stammt von (* 1856-12-20, † 1923-09-22).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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