Im sausenden Wettersturm,

Barhäuptig,

Bin ich hinangeklettert

An nebeltriefenden,

Feuchten Felsen,

Hinein in schauerliche Klüfte,

In des Hochgebirges

Grauenhafteste Einsamkeit

Hab′ ich meiner Seele

Schäumenden Zorn,

Alle verbissenen,

Langverheuchelten Qualen gerufen;

Angeklammert an zackige Felsenbrüche,

Überhängend halb

Über den Abgrund,

Hab′ ich todeslüstern

Hinunter gestarrt -

Und doch nicht Mut gefunden,

Loszulassen.

In starrendes Zwerggestrüpp

Schlug ich die fiebernde Stirn

Und vergrub meine Zähne

In knorrigem Wurzelwerk.

Aber weder der Schmerz, noch der Zorn,

Weder die Scham, noch die Reue

Tilgte meiner Gedanken

Krankhaft verzerrte,

Faulige Brut.


Das Gedicht "Umsonst" stammt von   (1870 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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