Zur Abendzeit, wenn sich die Wolken färben,

Wenn Alles glüht in rötlich-gelbem Licht,

Da muß der Sinne Glut in mir ersterben,

Und keusch und lauter meine Seele spricht, -

Zur Abendzeit, wenn sich die Wolken färben.

 

Und es erwacht in ihr ein tiefes Sehnen,

Nach keuscher Liebe zittert ihr Gebet,

Und niederrieseln ätzend-scharfe Tränen,

Sie weiß es wohl, daß es zu spät, zu spät!

Und immer qualenreicher wird das Sehnen.

 

Mit stiller Freude sehn es die Dämonen

Und flüstern süß-verlockend ihr ins Ohr:

Wir wollen Dich für jede Qual entlohnen,

Auf, auf, sei stark und raffe Dich empor!

Und immer süßer locken die Dämonen

 

Erstorbne Gluten wieder sich entflammen,

Es stöhnt das Herz nach jener Trunkenheit,

In welcher das Bewußtsein bricht zusammen,

Nach Wollustkrämpfen meine Seele schreit;

Erstorbne Gluten wieder sich entflammen!


Das Gedicht "Dämmerung" stammt von   (1870 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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