I.

Wohl ist das Laub der Myrthe immergrün,

Doch welkten ach! schon viele Hochzeitkränze:

Denn wenn die Ideale welk verblüh′n,

Dann welken auch der jungen Liebe Lenze.

Du wirst stets quellfrisch diesen Kranz besprühn,

Daß er auf immer schön wie heut erglänze,

Und fragst Du, wo der Wunderquell sich hehle?

In Deiner eignen jungfräulichen Seele.

II.

Laß Dir den Kranz nun den, schimmernden, reichen,

Welchem kein anderer Schmuck zu vergleichen: -

Myrthe, sie blüht nur den einzigen Tag:

Aber es wandeln die Lieb′ und die Treue

Welkende Blüthen in Silber auf′s Neue,

Welche kein Herbst zu verflücht′gen vermag:

Laß Dir nun wünschen, Du mögest befahren

Aehnliches Glück in den wechselnden Jahren,

Wie es den Aeltern kein Wechsel geraubt;

Wann sie dann feiern in silbernen Haren

Goldene Hochzeit, - dann schling′ ich den klaren,

Silbernen Kranz Dir um′s glückliche Haupt.


Das Gedicht "Mit dem Myrthenkranze" stammt von   (1834 - 1912).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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