Froh sah ich dich aufblühn,

du freudiger Held,

lang folg ich dir schwebend

und schweigend gesellt.

Oft küsst′ ich des Schlummernden

Schläfe gelind

und leise die Locken,

die dir wehen im Wind.

 

Hoch flog ich zu Häupten,

- du kanntest mich kaum -

durch die Wipfel der Wälder,

dein Trost und dein Traum.

Ich brach vor dem Bugspriet

durch Brandung dir Bahn,

vor dem Schiffe dir schwamm ich,

weiß-schwingig, ein Schwan.

 

Ich zog dir zum Ziele

den zischenden Pfeil,

aufriss ich das Ross dir,

das gestrauchelt am Steil.

Oft fing ich des Feindes

geschwungenes Schwert,

lang hab′ ich die Lanzen

vom Leib dir gewehrt.

 

Und nun, da die Norne

den Tod dir verhängt,

hab′ ich dir den schnellsten,

den schönsten geschenkt.

"Sieg!" riefest du selig,

"Sieg, Sieg allerwärts!"

da lenkt′ ich die Lanze

dir ins herrliche Herz.

 

Du lächeltest lieblich, -

ich umfing dich im Fall -

Ich küsse die Wunde -

und nun auf: - nach Walhall!


Das Gedicht "Lied der Walküre" stammt von   (1834 - 1912).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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