Tag will herauf. Nacht wehrt nicht mehr dem Licht.

 

O Morgenwinde, die den Geist in ungestüme Meere treiben!

 

Schon brechen Vorstadtbahnen fauchend in den Garten

 

Der Frühe. Bald sind Straßen, Brücken wieder von Gewühl und Lärmversperrt –

 

O jetzt ins Stille flüchten! Eng im Zug der Weiber, der sich übern Treppengang zur Messezerrt,

 

In Kirchenwinkel knien! O, alles von sich tun, und nur in Demut auf das Wunder der Verheißungwarten!

 

O Nacht der Kathedralen! Inbrunst eingelernter Kinderworte!

 

Gestammel unverstandner Litanein, indes die Seelen in die Sanftmut alter Heiligenbilderschauen . .

 

O Engelsgruß der Gnade . . ungenannt im Chor der Gläubigen stehn und harren,daß die Pforte

 

Aufspringe, und ein Schein uns kröne wie vom Haar von unsrer lieben Frauen.


Das Gedicht "Gegen Morgen" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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