Nun bist du, Seele, wieder deinem Traum

Und deiner Sehnsucht selig hingegeben.

In holdem Feuer glühend fühlst du kaum,

Daß Schatten alle Bilder sind, die um dich leben.

 

Denn nächtelang war deine Kammer leer.

Nun grüßen dich, wie über Nacht die Zeichen

Des jungen Frühlings durch die Fenster her,

Die neuen Schauer, die durch deine Seele streichen.

 

Und weißt doch: niemals wird Erfüllung sein

Den Schwachen, die ihr Blut dem Traum verpfänden,

Und höhnend schlägt das Schicksal Krug und Wein

Den ewig Dürstenden aus hochgehobnen Händen.


Das Gedicht "Betörung" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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