Denk ich zurück an meine frühsten Wochen:

Ich sog an hochgeblähten Ammenbrüsten,

von guten Tanten liebevoll berochen,

die zahnlos schnalzend den Popo mir küßten.

Doch was ich dann in stiller Reflexion

in meiner Wiege Windeltuch verrichtet,

mich mühsam reckend mit gestrafften Beinen,

das ward - des Kindes ganze Produktion -

in Seifenzubern und an Wäscheleinen

hinweggespült, getrocknet und vernichtet ...

 

Das Kind ward groß. - Das Unglück wollt′s: es dichtet.

Nun stehn um mich die Hinzen und die Kunzen

und fühlen zum Bewundern sich verpflichtet -

und warten: wird der Pegasus nicht brunzen?

Doch was sich dann in stiller Reflexion

herausgequält und aufs Papier ergossen,

das lassen sie in hohlen Schädelfässern

verschmalzen, dann vertrocknen und verwässern -

und meinen dabei: So wird Kunst genossen. --

Mensch, hüte dich vor jeder Produktion!


Das Gedicht "Produktion" stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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