Sie lernte Stenographin.

Er war Engros-Kommis.

Im Speisewagen traf ihn

ein Blick. Er liebte sie.

 

Auf einer Haltestelle

brach man die Reise ab,

woselbst er im Hotelle

sie als sein Weib ausgab.

 

Nicht viel, das man sich fragte.

Doch küßten sie genug.

Und als der Morgen tagte,

ging schon der nächste Zug.

 

Nach einer kurzen Stunde

fand ihre Fahrt den Schluß.

Er nahm von ihrem Munde

noch einen heißen Kuß.

 

Er sah sie schnupftuchwinkend

noch stehn zum letztenmal,

und in sein Auge blinkend

sich eine Träne stahl.

 

Er soll sie heut noch lieben.

Sie war so drall und jung.

Ihr ist ein Kind geblieben

und die Erinnerung.


Das Gedicht "Kleiner Roman" stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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