Ich wollt das Lied des Herzens nicht verschweigen.

Ich wollt es jubelnd zu den Menschen schmettern,

die bleich am Baume der Erkenntnis klettern,

das Glück vermutend in den kahlen Zweigen.

 

Ich wollt sie rufen zu den breiten Küsten,

an die des Meeres Wellen silbern schlagen.

Ich wollt sie lehren leichte Schultern tragen

und freien Sinn in übermüt′gen Brüsten.

 

Ich stoß ins Horn. Noch einmal. - Doch ich staune:

die Menschen lachen, die ich wecken wollte,

als ob ein Mißton in die Lüfte rollte. -

Es muß ein Sandkorn sein in der Posaune.


Das Gedicht "Ich wollt das Lied des Herzens nicht verschweigen" stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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