Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;

der Feuer sieht und weiß nicht, wo es brennt;

vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

 

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;

der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;

der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

 

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;

der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;

der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

 

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;

das tauentströmt in Wolken sich ergießt;

das küßt und fortschwemmt ­ weint und froh genießt.

 

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?

Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.


Das Gedicht "Ich bin ein Pilger..." stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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