Gebeugte Menschen mit stumpfem Blick

hocken in dumpfen Spelunken -

den Neid im Auge, die Not im Genick,

von elendem Fusel trunken.

Da tönt eine Stimme von außen herein:

"Kopf hoch! Ihr seid nicht verloren.

Ich füll eure Becher mit goldenem Wein.

Auch euch ist der Heiland geboren.

Heraus ins Freie und folgt mir nach,

wo Schätze liegen!"

Die Stimme des Mannes, der also sprach,

hat plötzlich geschwiegen.

Ein Scherge führt ihn gefesselt fort.

Den Menschen aber da drinnen

klingt seiner Rede lockendes Wort

wie ferner Traum in den Sinnen.

Sie senken den Kopf auf des Tisches Brett

und trinken mit heiserem Lachen ...

Ein Jude zog aus von Nazareth,

die Armen glücklich zu machen.


Das Gedicht "Golgatha" stammt von (* 1878-04-06, † 1934-07-10).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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