Ich bin ein lust′ger Geselle,

Wer könnt auf Erden fröhlicher sein!

Mein Rößlein so helle,

Das trägt mich mit Windesschnelle

Ins blühende Leben hinein!

 

Es tönt an meinem Munde

Ein silbernes Horn von süßem Schall,

Es tönt wohl manche Stunde,

Von Fels und Wald in der Runde

Antwortet der Widerhall.

 

Und komm ich zu festlichen Tänzen,

Zu Scherz und Spiel im sonnigen Wald,

Wo schmachtende Augen mir glänzen

Und Blumen den Becher bekränzen,

Da schwing ich vom Roß mich alsbald.

 

Süß lockt die Gitarre zum Reigen,

Ich küsse die Mädchen, ich trinke den Wein;

Doch will hinter blühenden Zweigen

Die purpurne Sonne sich neigen,

Da muß geschieden sein.

 

Es zieht mich hinaus in die Ferne,

Ich gebe dem flüchtigen Rosse den Sporn,

Ade! Wohl blieb ich noch gerne,

Doch winken schon andre Sterne,

Und grüßend vertönet das Horn.


Das Gedicht "Der Knabe mit dem Wunderhorn" stammt von   (1815 - 1884).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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