Derweil ich schlafend lag,
ein Stündlein wohl vor Tag,
sang vor dem Fenster auf dem Baum
ein Schwälblein mir, ich hört′ es kaum -
ein Stündlein wohl vor Tag:
"Hör′ an was ich dir sag′!
Dein Schätzlein ich verklag′:
Derweil ich dieses singen tu′,
herzt er ein Lieb in guter Ruh′,
ein Stündlein wohl vor Tag."
O weh! nicht weiter sag′!
O still! nichts hören mag.
Flieg′ ab, flieg′ ab von meinem Baum! -
Ach, Lieb′ und Treu′ ist wie ein Traum
ein Stündlein wohl vor Tag.
Das Gedicht "Ein Stündlein wohl vor Tag" stammt von Eduard Mörike (1804 - 1875).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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