Vom Berge was kommt dort um Mitternacht spät

Mit Fackeln so prächtig herunter?

Ob das wohl zum Tanze, zum Feste noch geht?

Mir klingen die Lieder so munter.

 

O nein!

 

So sage, was mag es wohl sein!

 

Das, was du da siehest, ist Totengeleit,

Und was du da hörest, sind Klagen.

Dem König, dem Zauberer, gilt es zu Leid,

Sie bringen ihn wieder getragen.

 

O weh!

 

So sind es die Geister vom See.

 

Sie schweben herunter ins Mummelseetal,

Sie haben den See schon betreten,

Sie rühren und netzen den Fuß nicht einmal,

Sie schwirren in leisen Gebeten. -

 

O schau!

 

Am Sarge glänzende Frau!

 

Jetzt öffnet der See das grünspiegelnde Tor.

Gib acht! nun tauchen sie nieder.

Es schwankt eine lebende Treppe hervor,

Und - drunten schon summen die Lieder.

 

Hörst du?

 

Sie singen ihn unten zur Ruh′.

 

Das Wasser, wie lieblich sie brennen und glühn!

Sie spielen in grünendem Feuer;

Es geisten die nebel am Ufer dahin,

Zum Meere verzieht sich der Weiher. -

 

Nur still!

 

Ob dort sich nichts rühren will?

 

Es zuckt in der Mitten - o Himmel! ach hilf!

Nun kommen sie wieder, sie kommen.

Es orgelt im Rohr, und es klirret im Schilf;

Nur hurtig, die Flucht nur genommen!

 

Davon!

 

Sie wittern, sie haschen mich schon.


Das Gedicht "Die Geister am Mummelsee" stammt von   (1804 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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