Die Fahne der Vergessenheit,
Sie mußte lange wehen:
Auf meinen Wegen traf ich die,
Die lang ich nicht gesehen.

Woher, wohin, wie ging es dir,
Du hast so schmale Wangen.
Wenn Zeit du hast, komm mit. Bald hat
Sie mir am Arm gehangen.

An einem Flusse schritten wir,
Und in den alten Garten
Sind wir getreten, wo wir einst
Sehnsüchtig auf uns harrten.

Wir sprachen viel, wir lachten auch,
Erzählten uns Geschichten.
Wie anders damals. Heute wars
Ein mühelos Verzichten.

Wir kehrten in die Stadt zurück,
Von neuem riß der Faden.
Doch eh wir schieden, blieb ich stehn
Vor einem Blumenladen.

Die schönste Rose wählt ich aus,
Für sie die letzte Spende,
Und küßte ihr zum letzten Mal
Dankbar die lieben Hände.

Zwei Straßenbahnen kreuzten sich,
Als wir das Haus verlassen.
Wir stiegen ein – in Nord und Süd
Verschlangen uns die Gassen.


Das Gedicht "Die letzte Rose" stammt von   (1844 - 1909).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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