Geduld, Poet, und nicht gemuckst!
So heißt die Pille, die du schluckst.

Entsagung, in der Ecke stehn,
Von jedem Laffen falsch gesehn.

Dein Volk, wenn dich Diät geplagt,
Hat dir, wie stets, das Brot versagt.

Verzweiflung, und noch obendrein
Verlacht, verhöhnt, verspottet sein.

„Das Publikum, das Publikum!“
Ja, hat sich was mit Publikum.

„Der Kritikus, der Kritikus!“
Na, das ist erst der Hochgenuß.

„Der Nachruhm bringt dir manchen Toast!“
Nun wahrlich, auch ein schöner Trost.

„Der Dichter ist ein König traun.“
Er ist im Vaterland der Clown.

Vielleicht nach hundert Jahren Schicht
Zieht ein Professor dich ans Licht.

Und hin und her wird dann geredt,
Und du wirst um und um gedreht

Viel Lärm, Bumbum, Radau, Juchhei:
Im Sarg ist alles einerlei.

Und ob die Welt dich dann zerreißt.
Ob die Nation als Gott dich preist:

Ganz gleich, der Wurm hat rund und rein
Dich längst poliert im schwarzen Schrein.

Wir fragen, wo dein Hügel steht;
Der ist versunken und verweht.

Was geht’s dich an, was soll der Quark,
Fehlt dir des Lebens Milch und Mark.

Das sind des Dichters ewige Qualen
Im großen Reich der Kamtschatkalen.


Das Gedicht "Dichterlos in Kamtschatka" stammt von   (1844 - 1909).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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