Kom Liebste / laß uns Rosen brechen /

Weil sie noch voll und färbicht seyn

Laß andre / was sie wollen / sprechen /

Die Flucht schleicht sich den Jahren ein.

 

Wir müssen unverwendet schauen

Wie uns diß alles folgen muß /

Die Jugend trägt sich durch die Auen

Geschwind mit unvermerckten Fuß.

 

Das Haar / der Mund und diese Wangen

Vergehen offt in kurtzer Zeit.

Der augen-Liechter göldne Spangen

Seyn für dem Tode nicht befreit.

 

Die edle Schönheit der Geberden /

Die meiner Liebe Mutter ist /

Kan durch den Wind verwehet werden.

Kom Liebste / weil du jung noch bist.

 

Wer sucht den Mäyen unsrer Tage

Hernach / ist er einmahl vorbey?

Häufft sich des Winters Leid und Plage /

So sind wir aller Liebe frey.

 

Wie sich ein Regenstrom behende

Von Bergen in die Thäler geust:

So reissen wir uns selbst zum ende /

Das uns jtzund schon eylen heist.

 

Sind wir in dürren Sand geleget /

So werden wir und bleiben bleich.

Ein Stock der keine Zweige träget /

Jst keiner frischen Myrte gleich.

 

Drümb laß uns lieben / wie es gehet /

Eh noch der Abendstern anbricht.

Wer in der Liebe nichts verstehet /

Der braucht der edlen Jugend nicht.

 


Das Gedicht "Sie sol der Jugend brauchen" stammt von   (1623 - 1686).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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