...und bittet umb des Krieges Abwendung

 

Ach / wo will die Welt hinaus!

Dieses schnöde Buben-Haus /

Das dem Laster Leben

Auff den Grund ergeben!

Sieht man doch

Jmmer noch /

Sich mit starcken Zügen

Alle Welt bekriegen.

 

Ist denn aus der Höllen Schooß /

Alle Schaar der Teuffel loß /

Die bey uns auff Erden

Wollen Bürger werden?

Sieht man doch /

Daß annoch

Sind mit Krieg und Streiten

Eine Pest der Zeiten.

 

Ist ein Winckel in der Welt /

Den man frey von Kriegen hält?

Schlagen nicht die Flammen

Uberall zusammen?

Menschen / Vieh

Fressen sie /

Was sie nicht berücken /

Muß von Rauch′ ersticken.

 

Alles liegt bey Krieges-Zeit /

Kunst / Zucht / Recht und Redligkeit /

Alle gute Sitten /

Werden überschritten /

Raub und Brand /

Stürtzt das Land /

Edle / Bauren / Bürger /

Laster / Seuchen / Würger.

 

Kein Gesetze wird erhört /

Alles Gute wird verkehrt /

Hier seyn lauter Hencker /

Leib- und Seelen-Kräncker /

Denen Gott

Selbst ein Spott /

Leben / Haus und Stelle

Wird uns hier zur Hölle.

 

Komm / o Friedens-Geist / herein /

Tilge mit des Jahres-Schein′ /

Allen Höllen-Nebel /

Brich den Mörder-Sebel /

Gott steh′ auff /

Daß dein Hauff′

Hier nicht gantz erliege /

So greiff du zum Kriege!


Das Gedicht "Er klaget wegen der bösen Kriegszeit" stammt von   (1639 - 1691).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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