Indem du jetzt das Feld, o Thaliarchus, siehest

Mit weißem Reif umhüllt, so daß der Wald sich senkt,

Und wie der dicke Frost die starken Fluthen schränkt,

So höre meinen Rath, daß du dich nur bemühest,

 

Wie du das Holz zur Glut und lichten Flamme ziehest.

Zapf′ an ein altes Faß, die Sorg′ auf Gott gesenkt!

Das Laub wird ja nicht stets vom Äolus gekränkt.

Laß heute heute sein, damit du klüglich fliehest,

 

Was morgen schaden kann. Nimm deiner Zeit Gewinn,

Und schicke traurig sein zum krummen Alter hin.

Treib′ deine Ritterspiel′ und dein verliebtes Siegen,

 

Dein Scherzen mit der Schaar, die gerne sich versteckt,

Und mit dem Lachen bald sich wiederum entdeckt,

Das darum widerstrebt, daß man es soll bezwingen


Das Gedicht "Eine horazische Ode in einem Sonett" stammt von   (1639 - 1691).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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