Irdisches und sterblich Volk, lebend-todte Erdengäste,

Ihr Verwürflinge des Himmels, ihr Gespenster dieser Welt,

Denen Nichts, als falsche Waare, Nichts, als Rauch und Wind gefällt,

Thoren, klettert und besteigt die bequalmten Ehrenäste,

Setzt euch Säulen von Porphyr, mauert euch aus Gold Paläste,

Festigt Tempel euch aus Marmor, der der Zeit die Wage hält,

Rafft zu euch mit gicht′gen Klauen er verdammten Klumpen Geld,

Macht euch euer stolzes Lob durch gelehrte Schriften feste;

 

Aber wißt, wenn das Verhängniß euer Lebensgarn reißt ab,

Schwindet Wissenschaft und Kunst, Schätze, Reichthum, Ehr′ und Titel,

Und ihr nehmet Nichts mit euch, als den nackten Sterbekittel,

Wo ihr auch noch aus dem allen noch erschwitzet Sarg und Grab!

Tausend, Tausend sind gewest, die mich nicht erlangt noch haben,

Die die Lüfte, die die Gluth, die der blaue Schaum begraben.


Das Gedicht "Umschrift eines Sarges" stammt von   (1635 - 1683).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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