Ihr dürres Volk, leblose Leute, todte Stumme,

Ihr Sterblichen, die ihr euch wünscht zu leben,

Die ihr den hellen Tag für Nacht,

Die Krone für Gefängniß, Freiheit für die Ketten,

Für Kerker Ruhm, für Wenig Alles alle,

Die ihr für Nebel Glanz, für Dünste Sonnenschein,

Für′s Grab den Thron, den Zepter für das Grabescheit,

Für Nichts nicht Viel, den Himmel für die Erden,

Für Asche Gold,

Das Leben für den Tod,

Die Seide für den Koth,

Verwechseln wollt!

Ihr Menschen, die ihr Götter wollet werden,

Die ihr den Kitzel schnöder Eitelkeit,

Der Träume Nichts, der Ehrsucht süße Pein,

Der Wehmuth Wermuth, der Wollüste Galle

Verschmäht und euch vom Dorn′ auf Rosen wollet betten!

Kommt, kommt! hier segelt her und macht

Den Lebensnachen an, wollt ihr erheben

Den Preis der Ewigkeit, das Wahre für das Dumme!


Das Gedicht "Inschrift des Tempels der Ewigkeit" stammt von   (1635 - 1683).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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