Ihr Sterne, darf ich euch auch wohl noch Sterne nennen,

Wenn jetzt ein Nebel euch umwölket Flamm′ und Licht,

Da Hermione doch am himmlischen Gesicht

Keinmal nicht minder läßt, als zwei Gestirne, brennen?

 

Du güldne Sternenburg, du, Himmel, mußt′s bekennen,

Dein blaugewölbtes Dach weiß von zwei Sonnen nicht,

Da, wenn die Morgenröth′ auf ihrem Mund′ anbricht,

Zwei Sonnen ihr allzeit der Stirne Thron umbrennen.

 

Jedoch du magst dich noch mit hundert Sonnen schmücken,

Die in die grüne See keinmal zu Bette gehn,

Ich würde doch zur Noth wohl solche Gluth ausstehn;

 

Mir aber, mir kann nicht vor Hermione′s Blicken

Schnee, Schatten, Höhle, Nacht Behülf′ und Aufhalt sein;

Denn ihre Liebe dringt durch Eis und Eisen ein.


Das Gedicht "Hermiones Augen" stammt von   (1635 - 1683).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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