O Venus leihe mir den zierath deiner wahre/

Vergiß ja keine schminck/ umzircke doch die haare

Der schönsten Tharackin/ nimm diamanten-stein/

Und was noch köstlicher alls alles diß kan seyn/

Das leg′ ihr um das haupt. Vergiß auch nicht der ohren/

Laß deinen kleinen sohn bald lauffen zu den mohren/

Und bringen perlen her/ die jenen gäntzlich gleich/

So die Cleopatra/ da sie ihr schönes reich

Zu zeigen emsig war/ in einer nacht verschwendet;

Damit das schöne haupt/ dem wir so hoch verpfändet/

Noch schöner möge seyn/ und dessen wunder-pracht

Zu zeigen/ wie ein stern/ der bey gewölckter nacht

Den weiten himmel ziert; komm Flora/ binde kräntze/

Ihr Nymphen säumt euch nicht/ und heget neue täntze

Um eure königin. Bekennet auch dabey/

Daß ihr berühmter leib der schatz der schönheit sey.

Ach könt ich Paris seyn! solt ich ein urtheil fällen!

Wem doch mit würden sey der apffel zuzustellen/

Den Venus überkam; Ich nähme deine hand/

Ich gäb′ ihr einen kuß/ und dieses schönheits-pfand.


Das Gedicht "Auff einen namens-tag" stammt von   (1635 - 1683).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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