Wo die Tannen finstre Schatten werfen

Über Hänge goldbesonnt,

Unverwundet von der Firne Schärfen

Blaut der reine Horizont,

 

Wo das Spiel den rastlos wehnden Winden

Kein Gebälk und keine Mauer wehrt,

Wo, wie einer dunkeln Sorge Schwinden,

Jede Wolke sich verzehrt,

 

Wo das braune Rind, wie Juno schauend,

Weidet und mit heller Glocke tönt,

Wo das Zicklein, lüstern wiederkauend,

Den bemoosten Felsen krönt,

 

Schlürf ich kühle Luft und wilde Würzen,

Mit den selgen Göttern kost ich da

- Die mich nicht aus ihrem Himmel stürzen -

Nektar und Ambrosia!


Der Text des Gedichts "Göttermahl" stammt von (* 1825-10-11, † 1898-11-28).




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