Wie fühl ich heute deine Macht,

Als ob sich deine Wimper schatte

Vor mir auf diesem ampelhellen Blatte

Um Mitternacht!

Dein Auge sieht

Begierig mein entstehend Lied.

 

Dein Wesen neigt sich meinem zu,

Du bists! Doch deine Lippen schweigen,

Und liesest du ein Wort, das zart und eigen,

Bists wieder du,

Dein Herzensblut,

Indes dein Staub im Grabe ruht.

 

Mir ist, wann mich dein Atem streift,

Der ich erstarkt an Kampf und Wunden,

Als seist in deinen stillen Grabesstunden

Auch du gereift

An Liebeskraft,

An Willen und an Leidenschaft.

 

Die Marmorurne setzten dir

Die Deinen - um dich zu vergessen,

Sie erbten, bauten, freiten unterdessen,

Du lebst in mir!

Wozu beweint?

Du lebst und fühlst mit mir vereint!


Das Gedicht "Einer Toten" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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