Ein Cherub schritt das Tal empor

Und schlug das Volk mit Schwert und Pest,

Hinsank der halbe Jugendflor -

Die Schwalbe kehrt und baut das Nest.

 

Brautführer will der Frühling sein,

Und wer das Lieb verloren hat,

Dem gibt mit einem blühnden Mai′n

Er eines an des toten Statt.

 

Er führt auf schwellend grünen Plan

Den Rest der Jugend, neu gepaart,

Und hebt ein mächtig Fiedeln an

Von Liebesglück und Minnefahrt.

 

Die Paare fliegen rasch daher,

Ein Lenzgesind, gejagt vom Wind,

Dabei wird manches Herze schwer,

Das an die alte Liebe sinnt ...

 

Doch Leben hat das Leben gern

Und leicht gewöhnt sich Brust an Brust

Die Toten liegen tief und fern

Und wissen nichts von unsrer Lust ...

 

Die Sonne schwand. Hell scheint ins Land

Der Mond und streut den Silberglanz

Der Reigen dreht sich Hand in Hand

Und Mund an Mund und Kranz an Kranz ...

 

Da steigt es aus der Wiese leis

Und beut sich auch die Hände sacht:

Genüber schwebt ein stiller Kreis

Im blauen Duft der Lenzesnacht.

 

Es haucht ein sanfter Flötenlaut,

Und toter Jüngling, tote Maid

Umschlingen sich im Reigen traut

Und ohne Neid und ohne Leid.


Das Gedicht "Die zwei Reigen" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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