Mondnacht und Flut. Sie hängt am Kiel

Umklammert mit den Armen ihn,

Sie treibt ein grausam lüstern Spiel,

Den Nachen in den Grund zu ziehn.

 

Der Ferge stöhnt: "In Seegesträuch

Reisst nieder uns der blanke Leib!

Rasch, Herr! Von Sünde reinigt Euch,

Begehrt Ihr heim zu Kind und Weib!"

 

Der Ritter hält den Schwertesgriff

Sich als das heilge Zeichen vor -

Aus dunkeln Haaren lauscht am Schiff

Ein schmerzlich bleiches Haupt empor.

 

"Herr Christ! ich beichte Rittertat,

Streit, Flammenschein und strömend Blut,

Doch nichts von Frevel noch Verrat,

Denn Treu und Glauben hielt ich gut."

 

Er küsst das Kreuz. Grell schreit die Fee!

Auflangend sieht er eine Hand

Am Steuer, blendend weiss wie Schnee,

Und starrt darauf, von Graun gebannt.

 

"Herr Christ! ich beichte Missetat!

Ich brach den Glauben und die Treu,

Ich übt an meinem Lieb Verrat.

Es starb. Ich tue Leid und Reu!"

 

Sie löst die Arme. Sie versinkt.

Das Ruder schlägt. Der Nachen fliegt.

Vom Strand das Licht des Erkers winkt,

Wo Weib und Kind ihm schlummernd liegt.


Das Gedicht "Die Fei " stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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