Ich bin einmal in einem Tal gegangen,

Das fern der Welt, dem Himmel nahe war,

Durch das Gelände seiner Wiesen klangen

Die Sensen rings der zweiten Mahd im Jahr.

 

Ich schritt durch eines Dörfchens stille Gassen.

Kein Laut. Vor einer Hütte sass allein

Ein alter Mann, von seiner Kraft verlassen,

Und schaute feiernd auf den Firneschein.

 

Zuweilen, in die Hand gelegt die Stirne,

Seh ich den Himmel jenes Tales blaun,

Den Müden seh ich wieder auf die Firne,

Die nahen, selig klaren Firne schaun.

 

′s ist nur ein Traum. Wohl ist der Greis geschieden

Aus dieser Sonne Licht, von Jahren schwer;

Er schlummert wohl in seines Grabes Frieden,

Und seine Bank steht vor der Hütte leer.

 

Noch pulst mein Leben feurig. Wie den andern

Kommt mir ein Tag, da mich die Kraft verrät;

Dann will ich langsam in die Berge wandern

Und suchen, wo die Bank des Alten steht.


Das Gedicht "Die Bank des Alten" stammt von   (1825 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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